{"id":202,"date":"2017-09-28T14:06:20","date_gmt":"2017-09-28T12:06:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gesundequartiere.de\/wordpress\/?page_id=202"},"modified":"2025-03-24T10:31:15","modified_gmt":"2025-03-24T09:31:15","slug":"hintergrund","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gesundequartiere.de\/index.php\/gesundequartiere1\/hintergrund\/","title":{"rendered":"Hintergrund"},"content":{"rendered":"<h3>Soziale und regionale Einfl\u00fcsse auf Gesundheit und Krankheit<\/h3>\n<p>Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus und chronische Atemwegserkrankungen sind im Alter zwischen 30 und 69 Jahren die h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr vorzeitige Todesf\u00e4lle. In Deutschland haben nicht\u00fcbertragbare Erkrankungen 2013 rund die H\u00e4lfte aller Todesf\u00e4lle ausgemacht. Hierunter geh\u00f6ren Herzkeislauferkrankungen, Krebserkrankungen, chronische Erkrankungen der Atemwege, Diabetes mellitus sowie Demenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left; padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #033165;\">Die Lebenserwartung unterscheidet sich deutlich je nach Region und sozialem Status.<\/span><\/p>\n<p>Hinsichtlich der Lebenserwartung lassen sich deutliche regionale Unterschiede sowie eine ausgepr\u00e4gte soziale Ungleichheit feststellen: nach Daten aus dem sozio-\u00f6konomischen Panel (SOEP) leben Menschen mit h\u00f6herem Einkommen deutlich l\u00e4nger als Menschen mit geringem Einkommen.<\/p>\n<p>Neben den genannten Erkrankungen gewinnen psychische Erkrankungen an Beachtung. Es gibt zwar keine Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die Pr\u00e4valenz psychischer Erkrankungen insgesamt deutlich zugenommen hat, allerdings ist ein Anstieg der Krankschreibungen und Fr\u00fchberentungen aufgrund von psychischen St\u00f6rungen zu verzeichnen. Angstst\u00f6rungen und Depressionen werden am h\u00e4ufigsten diagnostiziert.<\/p>\n<p>Die Gesundheit eines Menschens wird von einer Vielzahl von Determinanten beeinflusst: von nicht ver\u00e4nderbaren individuellen Faktoren wie Alter und Genetik \u00fcber die individuelle Lebensweise und das Gesundheitsverhalten, soziale Netzwerke, Lebens- und Arbeitsbedingungen bis hin zu \u00fcbergreifenden Umweltfaktoren.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #033165;\">Unter Gesundheitsverhalten wird jedes Verhalten verstanden, das die Auftretenswahrscheinlichkeit von Krankheiten beeinflusst, insbesondere Verzicht auf Rauchen, angemessener Alkoholkonsum, ausreichende k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t, ausgewogene, gesunde Ern\u00e4hrung sowie angemessene Stressregulation.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0Soziostrukturelle Bedingungen, insbesondere der sozio\u00f6konomische Status und das Lebens- und Wohnumfeld, beeinflussen dieses Verhalten. Menschen mit niedriger beruflicher Stellung, einem geringen Einkommen und niedriger Bildung sterben in der Regel fr\u00fcher, leiden h\u00e4ufiger an gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen und zeigen oft ein ung\u00fcnstigeres Gesundheitsverhalten.<\/p>\n<p>Sozial benachteiligte Stadtteile beziehungsweise Quartiere haben besonders komplexe soziale, \u00f6konomische, infrastrukturelle und bauliche Problemlagen. In diesen Quartieren leben in der Regel viele sozio\u00f6konomisch benachteiligte Menschen: Arbeitslose, Migranten, Alleinerziehende, kinderreiche Familien. Oftmals herrscht ein Mangel an Erholungs-, Spiel- und Bewegungsfl\u00e4chen. Hinzu kommen umweltbedingte Gesundheitsrisiken und -belastungen, wie zum Beispiel hohes Verkehrsaufkommen, erh\u00f6hte L\u00e4rm- und Schadstoffemissionen sowie eine schlechtere Sicherheitslage.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #033165;\">Die vorfindbare Mortalit\u00e4t in diesen Quartieren mit niedrigem sozio-\u00f6konomischem Status \u00fcbertrifft das durch den jeweils individuellen sozio-\u00f6konomischen Status der Bewohner erwartbare Ma\u00df.<\/span><\/p>\n<p>Theoriebildungen zur Auswirkung des Wohnumfeldes auf Gesundheit und Mortalit\u00e4t gehen davon aus, dass es eine Wechselwirkung zwischen der sozio\u00f6konomischen und ethnischen Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung in einem Quartier, dem sozialen Umfeld und dem physikalischen Umfeld gibt. Das soziale Umfeld umfasst hierbei Aspekte wie vorherrschende Normen und Werte, den sozialen Zusammenhalt und soziale Beziehungen sowie Sicherheit bzw. Gewalt. Das physikalische Umfeld umfasst verschiedenste Aspekte wie Umweltbelastungen, Qualit\u00e4t der Bebauung und Wohnungen, Zugang zu Ern\u00e4hrungs- und Freizeitressourcen, Natur und \u00e4sthetische Aspekte. Soziales und physikalisches Umfeld wiederum haben Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung eines Quartiers durch die Bewohner, auf das Zu- bzw. Abzugsverhalten sowie auf das Gesundheitsverhalten.<\/p>\n<p>Die Zusammenh\u00e4nge zwischen der sozialen Lage in Quartieren, den dort vorgefundenen physischen Umgebungsmerkmalen, dem damit verbundenen Gesundheitsverhalten und dem gesundheitlichen Status sind Gegenstand intensiver Forschung. Es gibt aber offenbar insgesamt keine Arbeit, die versucht, die verschiedenen Aspekte im Zusammenhang darzustellen und im Kontext von sozialer Ungleichheit zu analysieren.<\/p>\n<h3>Evaluation von Pr\u00e4vention und Gesundheitsf\u00f6rderung<\/h3>\n<p><em>\u00a0<\/em>Angesichts der beschriebenen Situation haben Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention eine hohe Bedeutung. Gesundheitsf\u00f6rderung will durch St\u00e4rkung von Gesundheitsressourcen zu einer Verbesserung von gesundheitsrelevanten Lebensweisen und Lebensbedingungen beitragen. Unter Pr\u00e4vention bzw. Krankheitspr\u00e4vention werden Ma\u00dfnahmen verstanden, die darauf abzielen, das Auftreten oder die Ausbreitung von Erkrankungen zu vermeiden oder zu verringern bzw. die negativen Auswirkungen von Krankheiten und Gesundheitsst\u00f6rungen zu reduzieren.<\/p>\n<p>Hierbei lassen sich u.a. verhaltens- und verh\u00e4ltnisorientierte Ans\u00e4tze der Pr\u00e4vention unterscheiden. Verhaltenspr\u00e4vention zielt dabei auf eine Ver\u00e4nderung des Verhaltens von Individuen oder Gruppen durch Ma\u00dfnahmen wie Information, Aufkl\u00e4rung, Erziehung oder Training. Ein Problem der Verhaltenspr\u00e4vention besteht darin, dass sie zum einen eine begrenzte Reichweite hat: 2013 haben nur 2,1 % der GKV-Versicherten verhaltenspr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen der GKV in Anspruch genommen. Zum anderen ist die Inanspruchnahme von und Beteiligung an solchen Ma\u00dfnahmen in hohem Ma\u00dfe von den individuellen Gesundheitseinstellungen abh\u00e4ngig. Vor allem M\u00e4nner und Menschen mit niedrigem sozio\u00f6konomischem Status werden durch solche Ma\u00dfnahmen deutlich schlechter erreicht. Vor diesem Hintergrund gelten verh\u00e4ltnisorientierte Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen als wichtige Erg\u00e4nzung.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #033165;\">Verh\u00e4ltnispr\u00e4vention will bestimmte Aspekte des Umfelds (der Verh\u00e4ltnisse) so ver\u00e4ndern, dass ein gesundheitsf\u00f6rderliches Verhalten leichter und damit wahrscheinlicher wird.<\/span><\/p>\n<p>In der Lebenswelt der Betroffenen angesiedelte Ma\u00dfnahmen, die darauf abzielen, diese Lebenswelt in gesundheitsf\u00f6rderlicher Richtung weiter zu entwickeln (Setting-Ansatz) haben ein hohes Potential. Die Bedeutung solcher Ans\u00e4tze wird nicht zuletzt durch die explizite Ber\u00fccksichtigung im Pr\u00e4ventionsgesetz von 2015 unterstrichen; der Leitfaden Pr\u00e4vention des GKV-Spitzenverbandes bezieht sich ausdr\u00fccklich auf den Setting-Ansatz. Auch erhofft man sich von Setting- und verh\u00e4ltnisorientierten Ma\u00dfnahmen eine Verringerung der sozialen Ungleichheit von Gesundheit.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #033165;\">Im Gegensatz zum mutma\u00dflichen hohen Potential verh\u00e4ltnisorientierter Ma\u00dfnahmen steht eine eher geringe Forschung hierzu. <\/span><\/p>\n<p>So wird schon lange bem\u00e4ngelt, dass Verh\u00e4ltnispr\u00e4vention viel zu wenig erforscht und daher auch zu wenig weiterentwickelt wird. Insbesondere fehlen Arbeiten, die von einem konsequent wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse geleitet werden, die also auf die Pr\u00fcfung von Hypothesen und die Entwicklung neuer Erkenntnisse abzielen und nicht prim\u00e4r vom Bem\u00fchen geleitet sind, ein bestimmtes Interventionsmodell als erfolgreich zu bewerten.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Planung und Evaluation gesundheitsbezogener Ma\u00dfnahmen Gesundheitsindikatoren erfordern, mit denen die gesundheitliche Ausgangslage sowie deren Ver\u00e4nderung reliabel und valide erfasst werden k\u00f6nnen. Um Ver\u00e4nderungen im Zeitverlauf valide abbilden zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen solche Gesundheitsindikatoren ausreichend ver\u00e4nderungssensitiv sein. Verf\u00fcgbare Gesundheitsindikatoren reichen von globalen und krankheitsspezifischen Mortalit\u00e4tsraten, sowie Pr\u00e4valenzdaten \u00fcber die allgemeine Einsch\u00e4tzung des Gesundheitszustands oder \u00fcber Instrumente zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualit\u00e4t bis zu speziellen Instrumenten zur Erfassung von verschiedenen Risiko-, Belastungs- oder Schutzfaktoren. Es existieren Indikatorens\u00e4tze f\u00fcr unterschiedliche Anwendungsfelder bzw. Gebietsgr\u00f6\u00dfen. Es existiert jedoch kein Set von handhabbaren, ver\u00e4nderungssensitiven Gesundheitsindikatoren, mit dem die gesundheitliche Situation und ihre Ver\u00e4nderung von Menschen in ihrem kleinr\u00e4umigen Wohnumfeld (Quartier oder Kommune) praktikabel, reliabel und valide gemessen werden kann.<\/p>\n<p>Auch die Erschlie\u00dfung und Nutzung von Sekund\u00e4rdaten, speziell Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), haben f\u00fcr die Beschreibung der gesundheitlichen Lage im Quartier ein hohes Potential. Dabei k\u00f6nnen die GKV-Daten mit ihren M\u00f6glichkeiten der kleinr\u00e4umigen Aufl\u00f6sung die amtliche Sozialraumstatistik mit der Bereitstellung von Daten zur Morbidit\u00e4t und Inanspruchnahme von GKV- Leistungen erg\u00e4nzen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen diese Daten auch f\u00fcr eine gesundheits\u00f6konomische Evaluation von Programmen genutzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziale und regionale Einfl\u00fcsse auf Gesundheit und Krankheit Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus und chronische Atemwegserkrankungen sind im Alter zwischen 30 und 69 Jahren die h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr vorzeitige Todesf\u00e4lle. 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